09 Juli 2017

WG: Werte und Normen

 

Von: Moe
Gesendet: Sonntag, 9. Juli 2017 14:10
An: mediensprecher@vfgh.gv.at
Betreff: Werte und Normen

 

Sehr geehrter Herr Sablatnig,

 

in der derzeit anhaltenden Diskussion über Sprache, Werte und Normen ist mir Ihr Internetauftritt aufgefallen. Wenn ich die Funktion des Pressesprechers des Verfassungsgerichtshofes richtig verstehe, dann ist das doch eine offizielle Funktion. Jetzt ist mir aus meinen Zeiten aus der Telekomderegulierung und der Internetblase durchaus die Turnschuh-affine und Krawatten-averse Knitterlook-Szene aus den Start-Up-IT-Buden bekannt. Alle per Du, T-Shirt und als Statement keine Krawatte. Auf der anderen Seite kenne ich auch die Zugänge der iranischen Revolutionäre gegen das westliche Zeichen von westlicher Kultur-Hegemonie und Dresscode (deutsch Bekleidungsvorschrift (klingt aber auf Deutsch ganz komisch altbacken)).

 

In Bezug auf diese beiden Werthaltungen, welcher dieser beiden Subkulturen (oder neuen Leitkulturen) wollen Sie mit Ihrem Internetauftritt Rechnung tragen? Ist großgeschriebene 3. Person im Schriftverkehr am Verfassungsgerichtshof noch angesagt oder kann ich Sie gleich per Du anreden, da es ja im Englischen Sprachraum auch keine Höflichkeitsform in der Anrede gibt. Also ist jetzt  Du oder du aber ohne Vornahmen die gewünschte Form am VfGH? Wie steht es mit dem Talar und der Ansprache mit akademischen Graden?

 

Da Sie den obersten Knopf an Ihrem Hemd nicht geschlossen halten gehe ich wohl richtig in der Annahme, dass Sie sich hier nicht dem persischen Kulturstatement verbunden fühlen sondern viel mehr dem Trend sich eine Anheimung von Modernität, Jugendlichkeit und Zukunftsorientiertheit durch übernahmen von Modetrends aus Übersee zu geben, folgen. Nimmt der VfGH eigentlich irgendwie Einfluss auf die Werteschulungen, die wir Migranten und Flüchtlinge angedeihen lassen?

 

Ich kenne durchaus die Diskussionen über die Obsoleszenz der unterschiedlichsten sozialen Normen – die Frage wird aber dann bald auch dahin ausgedehnt werden ob es einer „altvatrischen" Deutschen Sprache überhaupt noch bedarf, da ein überwiegender Teil der Informationen (Forschung, Wissen, Markt, Dienstleistung, Finanz) auf Englisch gespeichert werden – und der Zug immer mehr in Richtung Englisch als 2. Erstsprache geht. Wegen der Leitkultur und der Modernität. Ich gehe  davon aus, dass Ihr Auftritt bewusst den Standpunkt des VfGH in Bezug auf sozialer Normen gibt, immerhin eine Instanz des obersten Normenschutzes.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

DI Mathias Gruböck

Unternehmens- und Organisationsberater

2500 Baden

 

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