18 Februar 2015

Verkalkuliert


An sich müssten ja die Sektkorken knallen in den Führungsetagen der NATO und des Pentagons. Zur Zeit geht alles auf was man sich vorstellt. Die Europäer marschieren brav in Richtung Stellvertreterkrieger im Nahen Osten und im Osten. Die Japaner zeigen auch wieder mehr die Zähne. Südkorea sowieso. Alles läuft am Schnürchen. Alle die aufmucken werden sofort in die internationalen Schranken gewiesen, die Terrorismusschiene läuft auch so gut wie nie zuvor.

Nur langsam, sehr langsam erkennen die Supermachtstrategen und ihre Vasallen, dass man den kalten Krieg nicht einfach 2000 km weiter im Osten nachbauen kann. Erinnern wir uns, wie es wirklich war im kalten Krieg. Da waren zwei Seiten, die eigentlich vollkommen emotionslos und rational sich gegenübergestanden sind. Da gab es zwei Hegemonien und klare Regeln, die sehr einfach zu erlernen und einzuhalten waren. Zudem waren die Russen ein sehr verlässlicher Partner in dem globalen Spiel, sie waren immer sehr genau einzuschätzen und wie in einem Schachspiel hielten sich alle an die Regeln der Logik. Ausnahmen betätigen die Regel – die Kubakrise war ein Übergriff, war einfach zu nah bei den USA – das gingen auch die Emotionen mit so manchem kühlen Strategen durch. Aber sonst war es ein Räuber und Gendarmspiel nach klaren Regeln und die paar mal wo es durch Missverständnisse zu einem Gau hätte kommen können, griffen auch immer wieder Menschen ein, indem sie einfach nicht zum blinden Gegenschlag ausholten. Das war damals. Heute ist es kolossal anders. Die teile und herrsche-Strategie ist immer eigentlich eher eine Taktik. Sie verlagert die Konfliktebene um ein bis zwei Ebenen nach unten. Damit erzielen die USA zwar, dass sie nicht direkt in Konflikte hineingezogen werden, an deren Entstehen sie durchaus geopolitische Interessen haben, aber je tiefer der Abstraktionslevel eines Konfliktes gelagert ist, desto mehr menschelt es. Desto mehr geht es um Emotionen und die müssen nicht immer positiver Natur sein. Rache, aufgestauter Hass, Revanchismus, Neid, Gier sind immer sehr leicht und mit sehr geringen Mitteln anzufachen und pflanzen sich lawinenartig fort.

Eine revanchistische Entladung in den Jahrzehnte lang unter russischer Hegemonie geknechteter Völker (in Kombination mit einer nie aufgearbeiteten Zeit des Stalinismus) heraufzubeschwören ist eine leichte Fingerübung für Machttechnologen. Ein vollkommenes Zerfleischen der Völker und Gruppen im Nahen Osten zu lancieren ist ebenfalls jahrelang geübte Praxis, die Israel seine Vormachtstellung in diesem Raum gesichert hat. Die strategische Positionierung von Japan gegen China ist ebenfalls ein klarer Spielzug der Amis. Nur was vielleicht nicht ganz in Betracht gezogen wird bei den Planspielen ist, dass hier emotionale Brände gelegt werden deren Ausbreitung und Intensität man nicht mehr aus der Ferne einfach so in den Griff bekommen wird. Wie sich zeigt hat diese Art der Weltbeherrschung den Effekt des maximalen Blutzolls. Einen zweiten, noch unangenehmeren Effekt sieht man jetzt in der Ukraine – hier wird lokalen oder maximal regionalen Führern die Chance eröffnet andere Kräfte auf ihre Konfliktebene zu holen. Ein Konflikt der so sinnlos wie ziellos ist – wer will bei diesem Konflikt was genau gewinnen? Glauben die ukrainischen Ukrainer wirklich das Gebiet ethnisch säubern zu können? (was das einzige Ziel sein kann wenn man gegen eigene Bevölkerungsgruppen Militär und schwere Waffen einsetzt) Glaubt irgendwer auf der Welt, dass ein Russen einen Zentimeter Heimaterde (wie da immer die staatlichen Definitionen sind – dort leben Russen) irgendjemandem überlassen wird – speziell wenn diese noch mit englischen und amerikanischen Waffen kommen wird. Oder sogar deutschen Waffen! Glaubt irgendjemand, dass ein neues deutsches Militärweisbuch in dem Russland wunschgemäß als Feind aufgeführt wird, kurz vor der 70 Jahrfeier des Endes des WK2 von irgendeinem Russen als Deeskalation und Zeichen des Friedens gesehen wird? (Spezielle wenn die jetzt in der deutschen Armee die damaligen DDR-Einheiten entgegen aller Beteuerungen vor 25 Jahren dann auch Russland als Feind betrachten) Hier wird seit einiger Zeit auf der masspsychologischen Emotionsorgel drauflosgefeuert und wirtschaftskriegerische nachgeschossen was das Zeug hält.

Diese Hysterie die im Hegemoniegebiet der NATO derzeit entfacht wird eine ganz andere Gegenreaktion ergeben als im kalten Krieg. Die NATO und die USA bedrohen ganz essentiellen Themen der Menschen durch ihre Strategie: auf einer sehr persönlichen und nicht wirklich rechtsstaatlichen Ebene werden Menschen mit Sanktionen belegt, da irgendwer seine Schuld beschlossen hat. Es werden massiv seit Jahren Unterschiede in der Behandlung von Religionen betrieben, hier kommt es einem oft vor, manche dürfen alles und die anderen sind alle Recht- und Gesetzlose. Da werden effektiv Rechtsbestände von weit her einfach vom Tisch gewischt und andere Tatsachen geschaffen unter vollkommener Ignoranz von Habitaten einzelner Gruppen oder gar Menschen. Derartige Konflikte, die man so hervorruft, sind ganz grauslich. Da wird mit Messer und Nagelfeile gekämpft werden – hier geht es um zu grundsätzliche Themen. Da wird es keine Unmenschlichkeit geben die es nicht geben wird – nur muss man dabei bedenken, wenn man Menschen zuvor das Menschsein abgesprochen hat, dann tun die das im Gegenzug mit einem selbst auch. Aktio ergibt Reaktio. Ob die europäischen Vasallen lange an den Schmäh glauben, dass Europa in den Nachfolgekriegen der vollkommen vermurksten Einsätze der USA speziell im Irak aber auch in vielen anderen Ländern der Region irgendwas verloren oder geschweige denn zu GEWINNEN hätte? Was genau sind die Interessen von Europa in dieser Region-der Schutz der US-Ölkontrakte? Was genau müssen die Europäer in der Ukraine gewinnen und dafür zig Milliarden Euro zahlen.

Wo sind die Europapolitiker die Herrn Obama sagen, dass er sich gefälligst aus dem Griechenlandthema vollkommen raushalten soll? Oder hat sein Finanzier Herr Soros noch vor seine Profite beim abgestimmten Kampf gegen die ehemalige Stärke des EURO noch weiter zu steigern, da er ja sooo gerne gegen den EURO und den Rubel wettet. Heil dem Dollar, Heil der Leitwährung. Heil der Wirtschaft-NATO (TTIP) – bis in den Tod schwören die EU – Politiker die US-Interessen zu verteidigen. Neuer Standort des EU-Parlaments: Die Würstelbude vor dem washingtoner Kapitol mit Videowand zur Befehlsausgabe. So hat sich dieses Friedensprojekt zu einem veritablen Instrument von US-Wirtschaftskriegen entwickelt. So viel Rotwein gibt es in ganz Brüssel nicht wie diese Friedensprojetanden (und Onkelz) hier an Blut jeden Tag fließen lassen werden.

DI Mathias Gruböck Baden, 18.02.2015
Unternehmes- und Organisationsberater

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