25 Juni 2015

Sollen die Europäer wirklich so blöd sein?




Also jetzt machen die Geostrategen auf Wettrennen um die Karotte – so auf die Art: Wir wissen zwar nicht warum, aber wir müssen unbedingt schneller dort sein. Einmal mehr werden die strategie- und widerstandslosen Europäer von den USA wie ein Indianerstamm behandelt, der ganz schnell unterschreiben soll, sonst bekommt er von den Blauröcken gar kein Reservat mehr zugewiesen. Diese ganze Diskussion ist derart aus Sicht der Weltherren betrieben (und wahrscheinlich wurde die neue Devise, jetzt ein Wettrennen zu veranstalten bei den Bilderbergern vereinbart), dass einem wirklich Angst und Bange werden kann. Also als Indianer.

Wenn das so wichtig für die USA ist, dass man mit den Europäern Standards bezüglich des Welthandels einführt – warum verhandeln sie dann ohne die Europäer in Asien das TPP? Ist das TIPP in Kombination mit einer de facto US-Abschottung Europas gegen Osten ein Versuch Europa an sich zu binden und es gleichzeitig auf der Eurasischen Platte als Konkurrenz auszuschalten?

Wenn Globalisierung wirklich das gelobte Land der Weltwirtschaft (d.h. nicht nur Shareholder, sondern auch real existierende Menschen) sein sollte, dann macht es für Europa keinerlei Sinn Handelsabkommen mit einem Land zu schließen, wo die Zuwachsraten im Zehntelprozentbereich liegen. Auf einem globalen Markt bietet Europa fast exakt das Gleiche an wie die USA.

Eine marktgerechte Strategie der Europäer wäre viel mehr die verstärkte Integration auf der größten Landmasse auf der Welt. Europa und Asien – also China+Russland+Europa! Das würde eine sehr langfristige Perspektive geben und sicherlich mehr Standards für den Welthandel hervorbringen als TTP und TTIP zusammen.

Die Hysterie die derzeit aufgebauscht wird ist vollkommen unbegründet. TTP hat einen zentralen Schwachpunkt – es ist ein Anti-China Handelsabkommen. Die Chinesen, als wahre Weltmacht im Handel (schon seit Urzeiten) nicht als das anzuerkennen was sie sind, kann a la longue nur zu Vertragswerken im Kaiser's neue Kleider-Format führen. Wenn sich die Europäer jetzt wirklich in subalterne Vertragskonstrukte mit den USA einlassen, werden sie zu einer besseren Handelsplattform verkommen. Wirkliches Wachstumspotential gibt es für sie in Richtung Osten viel synergetischer und einfacher. Den einzigen Handelsstandard den es derzeit gibt ist, die Handelssanktionspolitik der USA mitzuvollziehen. Die USA bauen den europäischen Ländern, die sie nach dem kalten Krieg erobert haben ein Gatter im Osten. Den Euro konnte sie auch hinreichend schwächen, dass er nicht in die Verlegenheit gekommen ist als weltweite Kompromissleitwährung genutzt zu werden. Und mit Griechenland haben die USA die EU vollkommen an den Eiern – die Weltbank von US-Gnaden spielt da eifrig die Doppelmühle und hält den Euro und die EZB in der Falle. Und nach TTIP brauchen die USA die EU an sich dann gar nicht mehr. Mit ihren Standards, Überwachungs- und Militärpower und Geheimgerichten kolonialisieren sie jedes europäische Land bilateral noch einfacher. Wie zum Beispiel die Ukraine als Testlauf zeigte. Good buy Europe!


DI Mathias Gruböck Baden, 25.06.2015
Unternehmens- und Organisationsberater


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