20 April 2016

Nur sieben Prozent





Motte Allerechtevorbehalten Wie wertet man die Bildung der Eltern aus? Wie schaut es mit Stiefeltern oder Patchwork aus? Bei "Akademikereltern" machen mehr als die Hälfte der Kinder einen Bildungsabstieg. (fast 3 % nur Pflichtschulabschluss) wohingegen über 75% mit "Pflichtschuleltern" einen Bildungsaufstieg erzielen. Den größten Einfluss auf Bildungsentwicklung hat offenbar die gesprochene Umgangssprache. Zusätzlich sind Analysen von statistischen Befragungen mit einem Bildungsideal einer 100% Akademikerquote einer Gesellschaft mehr als polemisch. Alleine die angegebenen Daten widerlegen, wie immer fragwürdig, die, anscheinend weltanschauliche Privatmeinung des Herrn Redakteur Wolf, die (Aus)Bildung der Eltern wird signifikant nicht weitervererbt. Dies ansteigend mit steigendem Bildungsniveau der Eltern.

"Nur" sieben Prozent der ehemaligen Kinder (heute 25-44 jährigen - die also in den 70er bis den 90er-Jahren in die (Pflicht-)Schule gingen) mit Eltern die (beide?) "nur" Pflichtschulabschlüsse hatten (oder sind es nur die staatlich geförderten alleinerziehenden Mütter - oder die 50%-60% Scheidungskinder?) haben einen akademischen Abschluss geschafft! Wenn man dieser Zahl von 7% eine damalige Akademikerquote in Österreich von ungefähr 8% der Bevölkerung entgegenhält, dann ist das faste ein Gütesiegel für die Schulausbildung und Chancengleichheit. Es würde bedeuten, dass ein akademischer Abschluss unabhängig von der sozialen Herkunft fast gleichwahrscheinlich ist (war)! Bravo Österreich - bravo österreichisches Schulsystem!

Jetzt gibt es aber neue Benchmarks für die Akademikerquote im Ländervergleich. Grundkonzept ist: Akademiker verdienen mehr Geld als alle anderen. Geld macht glücklich. Alle sollen glücklich sein = alle sollen Akademiker werden. Sogesehen löste das (offenbar erfolgreiche) Schulsystem zwei exogene Problemstellungen nicht mehr: Die Anhebung der Akademikerquote jenseits der eingeschwungenen Werte und die Integration von, vor allem sprachlich anders sozialisierten Kindern. Gemessen an diesen beiden Werten versagt ein, an sich über die Jahre nicht unerfolgreiches Schulsystem. 

Die Sandkastenlösungsansätze der Verantwortungsträger hierfür: Jede Kindergartenschule wird zu einem Hochschulabschluss aufgewertet und alle in die nächsthöhere Schulstufe aufsteigen zu lassen. Dies ist Schulpolitik für die Statistik - dann muss man nur noch die Statistiken so hindeichseln, dass man seinen eigenen Bildungserfolg bejubeln kann. Bildungspolitik für Papierdrescher - das hat NICHTS mit Wissensgesellschaft zu tun, das ist virtuelle Politik zum Quadrat. Des Kaisers neue Kleider für die geistigen Nackerbatzeln der Zukunft. 

Die Folge aus diesem Herumfuhrwerken: Ein Zweiklassenschulsystem so wie in anderen Bereichen auch (Medizin, Justiz usw.) Die Amerikanisierung der Ausbildung - ob dann auch immer noch 7 Prozent den Bildungsaufstieg ganz nach oben schaffen werden?

DI Mathias Gruböck                                                      Nondorf, 20.04.2016
Unternehmens- und Organisationsberater 


Armin Wolf
Armin Wolf Die Aussage, die Bildung der Eltern werde "nicht signifikant weitervererbt" ist angesichts der Daten kühn. Und ein "Bildungsaufstieg" ist bei Akademikerkindern eher schwierig, deshalb haben Sie recht: es gibt in Familien von Pflichtschulabsolventen tatsächlich mehr Bildungsaufsteiger als in Akademikerfamilien. (Das stellt jetzt natürlich alles in Frage...)
Motte Allerechtevorbehalten
Motte Allerechtevorbehalten Was genau wird da vererbt, wenn die Mutter AHS-Absolventin und der Vater Akademiker ist? Oder der Vater ist BHS-Absolvent und die Mutter hat die Pflichtschule absolviert? Wer hat dann was vererbt? Was wurde vererbt wenn in einem Doppelakademikerhaushalt ein Kind auch wieder Akademiker geworden ist und das andere Kind die Pflichtschule absolviert hat.Was wahrscheinlich signifikant über die Jahrhunderte ist, ist, dass elterliche Berufsbilder prägen. Jeder der ein mehrjäjriges Studium absolviert benötigt klare Berufsbilder um sich für den oft frustrierenden Studienalltag hinreichend zu motivieren. Vererbungslehre hat damit nichts zu tun. Mit Bildungsprägung wäre hier wohl stimmiger. Danke jedenfalls für die prompte Replik.

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